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Rinderzucht in Deutschland – Der Blick in die Zukunft (Teil II)

In unserem ersten Beitrag zum Thema Rinderzucht in Deutschland haben wir bereits darüber berichtet, ob die deutsche Rinderzucht noch im Einklang mit den wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Anforderungen steht. Vor diesem Hintergrund möchten wir einen Blick in die Zukunft werfen.

In der Zucht verankert: Die Balance von Milchleistung und Tiergesundheit

Eine Zucht, die auf reine Milchleistung abzielt, steht nach Meinung von Tierschützern und Tierärzten nicht im Einklang mit dem Wohl der Kühe. Frühe Abgänge aufgrund von Erkrankungen oder frühzeitiger Unfruchtbarkeit hängen nach Ansicht der Kritiker häufig mit der Leistungszucht zusammen. Darüber haben wir bereits im ersten Teil ausführlich berichtet, deshalb möchten wir hier nicht näher darauf eingehen.

Das Projekt optiKuh der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) knüpft an diese Kritik an und möchte eine Veränderung bewirken. Ziel ist es, „die optimalen Bedingungen für die Milchkuh zu erforschen und in der Praxis zu realisieren“.  15 Partner nehmen an dem Projekt teil, darunter auch Züchter.

Projekte wie dieses wollen bei der Zucht ansetzen, um die Bedingungen für Milchkühe zu verbessern. Dazu zählt auch, Kühe nicht mehr ausschließlich nach Merkmalen der Milchleistung zu züchten. Stattdessen soll der Fokus auf die Futteraufnahme und Stoffwechselstabilität gelenkt werden. Das Risiko von Krankheiten kann so minimiert werden.

Daraus ergibt sich nicht nur eine Verbesserung für das Tierwohl. Kühe, die ihr Futter besser verwerten und weniger anfällig sind für Krankheiten, verursachen weniger Kosten. Eine geringere Milchleistung kann damit ausgeglichen werden. Das ist der erste Schritt zu einem Gleichgewicht von Tierwohl und Milchleistung.

In Zukunft wird die Zucht von robusten, langlebigen Kühen also stärker in den Vordergrund rücken. Eine plötzliche Kehrtwende ist jedoch nicht zu erwarten. Der Großteil der Bauern setzt noch immer auf Altbewährtes und greift bei der Besamung von Kühen auf die erfolgreichen Milchvererber zurück.

Hornlose Rinder statt Kälberenthornung

Neben robusten Kühen, sind auch hornlose Rinder inzwischen im Gespräch. In der Fleischrinderzucht ist Hornlosigkeit längst angekommen, aber beim Milchvieh wird sie gerade erst Thema.

Grund dafür ist auch hier die Kritik von Tierschützern. Die Amputation von Hörnern ist verboten, jedoch dürfen Kälber im Alter von bis zu sechs Wochen enthornt werden. Eine Betäubung verlangt der Gesetzgeber dabei nicht. Der Vegetarierbund Deutschland kritisiert deshalb die Kälberenthornung, da es sich um eine schmerzhafte Prozedur handele.

Nach Protesten unterschiedlicher Tierschutzverbände ist inzwischen die Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln verpflichtend. Trotzdem sucht die Landwirtschaft nach Wegen, den Konflikt zwischen Viehhaltern und Tierschützern zu beenden.Die Züchtung hornloser Rinder scheint da eine Möglichkeit zu sein, das hat auch die Politik erkannt. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen soll die Zucht hornloser Rinder gefördert werden, um sie schneller in die Populationen der Rinder einzubringen.

Wirtschaftlich gesehen ist für Landwirte jedoch uninteressant, ob eine Kuh Hörner hat oder nicht. Ob sich hornlose Rinder etablieren werden, bleibt deshalb abzuwarten. Bei der Zucht ergeben sich zudem einige Probleme. Zum einen ist die Population hornloser Rinder in Deutschland kaum erfasst. Zum anderen besteht die Gefahr von Inzucht, vor allem dann, wenn das Gen zu schnell in die Populationen eingebracht wird. Die Hälfte der jungen genomischen Fleckviehbullen geht derzeit auf einen einzigen Bullen zurück, ähnlich verhält es sich bei den Holstein-Rindern. Der Druck von Tierschützern sollte deshalb nicht dazu führen, die Zucht hornloser Rinder zu beschleunigen. Zuchtunternehmen streben daher auch eine langsame Etablierung der Hornlosigkeit über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren an.

So wird sich die Rinderzucht verändern

Landwirte wie Zuchtverbände werden sich in Zukunft immer wieder mit Themen des Tierwohls auseinandersetzen müssen. Eine reine Zucht auf Milchleistung wird daher langfristig gesehen mehr Nachteile als Vorteile bringen. Die Veränderungen in eine andere Richtung haben bereits begonnen und werden in Zukunft noch zunehmen. Sicher wird dabei auch die Zucht hornloser Kühe eine Rolle spielen. Ob sie sich jedoch langfristig durchsetzt, ist derzeit noch nicht abzusehen.

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