Das Klima in Deutschland überrascht uns jedes Jahr aufs Neue mit weiteren, häufigeren und längeren Wetterextremen.
Schlammige, matschige Winter und knochentrockene Sommer mit knallender Hitze, unkontrollierte Regengüsse oder staubige Erde.
Das sich verändernde Klima bringt auch einen neuen Lebensraum für Schädlinge mit sich. Ehemals zerbrachen sie an unserem Klima. Doch jetzt lassen sie es an sich abtropfen wie einen Sommerregen.
In diesem Blog werfen wir einen Blick darauf, wie sich unser Klima im letzten Jahrhundert verändert hat. Wie kommen die Schädlinge zu uns? Und welche dieser Schädlinge erschweren der Landwirtschaft Alltag und Erträge?
1,6 °C wärmer und regenlose Sommer
Die Aufzeichnungen unseres Wetters reichen bis ins Jahr 1881 zurück. Die aufmerksame Überwachung dieser Zeitspanne verrät uns, dass die Tage, an denen die Temperaturen unter 0°C sinken, seltener werden: 28 im Jahr waren es in den 1950ern und heute hat sich deren Zahl auf 19 verringert.
Ein frostiger Winter war allerdings bisher unser Schutzschild gegen viele Schädlinge. Schockgefroren verging ein Großteil der Eier und Larven. Dieser Kälteschock, der alles wieder auf null setzt, vergeht.
Die Niederschlagsmenge, die jährlich über Deutschland niedergeht ist zwar weiterhin unverändert, doch hat sich der Regen vom Sommer in den Winter verlagert: trübe, diesige Winter und dürre Sommer sind die Folge.
Denn auch in den Sommermonaten hat sich einiges Verändert. Tage, an denen die Temperaturen auf 30 °C klettern, werden mehr: während es 1950 nur 3 innerhalb eines Jahres waren, sind es jetzt bereits 9.
Durchschnittlich ist die Temperatur seit 1881 um 1,6 °C gestiegen. Die 5 wärmsten Jahre seit dieser Dokumentation geschahen in den letzten 25 Jahren.
Ein Paradies für manche invasive Arten
Pakete fliegen um die Welt, Zimmerpflanzen aus tropischen Ländern stehen in unseren Wohnungen und wir können uns jederzeit Kostbarkeiten und Raritäten aus den entlegensten Ecken der Welt kommen lassen – die Welt ist vernetzt wie noch nie zuvor.
Doch mit im Gepäck reisen manchmal auch Lebewesen, die wir gar nicht bestellt hatten. Pilze, Pflanzen, Spinnen, Reptilien, Säugetiere und vor allem Insekten. Sie ducken sich in den Zierpflanzen, verstecken sich in den Obstkisten, haften an Schiffsrümpfen oder Wassertanks.
Das ist früher schon passiert. Zum Problem wird dieser unbeabsichtigte Austausch erst, seit die reisenden Lebewesen hier ein bekömmliches Klima vorfinden, das sie zum Bleiben und Sichausbreiten ermuntert.
Wenn es einem bestimmten Lebewesen gelingt, sich an einem fremden Ort anzusiedeln, zu überleben und sich so sehr auszubreiten, dass es zum Problem wird und andere Arten dadurch verdrängt werden oder das Ökosystem auf den Kopf gestellt wird, sprechen wir von Invasiven Arten.
In Deutschland gibt es 168 Tier- und Pflanzenarten, die als invasiv gelten. In der gesamten EU geht man sogar von 1.800 aus.
Die NABU bietet eine Liste aller invasiver Arten, die gerade in ganz Deutschland zu Problemen führen: Invasive Arten.
Welche Schädlinge sind neu?
Zu einem besonderen Problem werden diese invasiven Arten, wenn sie der Landwirtschaft schaden, Menschen den Lebensunterhalt abspenstig machen oder die Ernährungssicherheit bedrohen. Hier sind nur einige Schädlinge aufgelistet, die in den letzten Jahren für erhebliche Probleme sorgten.
2005 tauchte die Asiatische Hornisse auf. Sie überfällt und frisst Bienen und legt ganze Bienenstöcke lahm. Das in Zeiten, wo auch Obstplantagen um die Existenz der Honigbiene fürchten.
Seit 2008 macht die Glasflügelzikade verschiedene Feldfrüchte ungenießbar. Sie injiziert Krankheitserreger in Rhabarber, Spargel, Zuckerrüben und Kartoffeln. Nichts bleibt als labbrige, gummiartige Hüllen.
2010 kam die marmorierte Baumwanze. Mit einem unstillbaren Appetit macht sie sich über sämtliche Obstsorten, Gemüse, Zierpflanzen und sogar Nusssträucher her.
2011 begann die Invasion der Kirschessigfliege. 400 Eier legt der Schädling. Die gefräßige Brut wird in Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeren oder Kirschen gelegt und lässt von der Frucht nichts übrig.
Kürzlich erst, 2024, erreichte der Japankäfer Deutschland. Er futtert alles: Blätter, Blüten und Früchte von Obstbäumen, Weinreben oder Gemüse. Und der Nachwuchs schmatzt im Boden an den Wurzeln. Wenn es viele sind, bleibt nichts mehr stehen.
Es kommen noch ganz andere Arten: Schlangen, Geckos, Eidechsen und Spinnen. Alles Tiere, die wir nicht hier haben wollen. Kalifornische Kettennattern zwischen den Maispflanzen und Nosferatuspinnen in den dunklen Winkeln der Kuhställe, auf solche Überraschungen wollen wir alle wohl gern verzichten.
FAZIT:
Aga-Kröten in Australien oder 2 Millionen Nachtbaumnattern auf der 550 km² großen Insel Guam. Es gibt genug Beispiele, wo invasive Arten das Ökosystem auf den Kopf stellten.
Beim Thema invasive Arten herrscht immer eine riesige Unbekannte. Es lässt sich kaum sagen, was ein bestimmter Schädling in einem völlig fremden Ökosystem anrichten kann.
Möchtest du mehr über andere Schädlinge in der Landwirtschaft erfahren? Dann wirf einen Blick auf unseren folgenden Blogartikel:
Genutzte Quellen:
https://www.swr.de/swraktuell/schaedlinge-aergern-bauern-100.html
https://weather.com/de-DE/wissen/tiere/news/2025-05-14-schaedlinge-im-klimawandel-neue-arten-und-grossere-populationen
https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimawandel/klimawandel_node.html
https://www.bundesumweltministerium.de/themen/artenschutz/nationaler-artenschutz/invasive-gebietsfremde-arten/ueberblick-invasive-gebietsfremde-arten
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/artenschutz/invasive-arten/unionsliste.html
https://www.landundforst.de/pflanze/invasive-arten-japankaefer-vermehrt-gefahr-fuer-landwirtschaft-571701https://
www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/neuer-schaedling-landwirtschaft-baumwollkapseleule-ernte-gefaehrdet-100.html
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/invasive-arten-tigermuecke-japankaefer-gefahr-kritik-massnahmen-102.html