Fliege vor einem Stall als Beispiel für Schadinsekten

WENIGER SCHÄDLINGE IM STALL: STALLHYGIENE UND BIOLOGISCHE SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG

Wo Nutztiere gehalten werden, lassen Schädlinge nicht lange auf sich warten. Schadinsekten und     -nager finden in Ställen häufig genau die Bedingungen, die sie zum Überleben und Vermehren brauchen: Wärme, Feuchtigkeit, Futterreste und verborgene Brutplätze.

 

Damit sich Schädlinge nicht dauerhaft im Stall ansiedeln, braucht es mehr als nur einzelne Bekämpfungsmaßnahmen. Hier hilft eine Kombination aus konsequenter Stallhygiene sowie mechanischer und biologischer Schädlingsbekämpfung.

WAS SCHÄDLINGE IN DEN STALL LOCKT

Ein Bauernhof bietet meist eine große Fläche, dazu viele Gebäude, Ställe und Lagerorte. Hier gibt es Tiere, Futter und Mist. Schadinsekten und -nager erhoffen sich davon Futter und Brutstätten.

 

Was Schädlinge suchen:

 

Wärme:       

Durch die Körpertemperatur des Nutzviehs herrscht an manchen Ecken eine behagliche Wärme, die vor allem Ratten und Mäuse in den Herbstmonaten in die Ställe lockt.

Feuchtigkeit:

Volle Güllekanäle, feuchte Untergründe, nasse Einstreu oder verdorbenes Futter ziehen Insekten an und schaffen Brutplätze für deren schadhaften Nachwuchs.

Wenig Frischluft:

Kein störender Wind, der kleine Insekten durchschüttelt. An luftarmen und windgeschützten Orten, nisten sie sich gerne ein[2].

Unterschlupf:

Spalten, Löcher oder Ritze: Wo es ruhig ist und dunkel, windstill und sicher, finden Schädlinge einen ungestörten Platz.

Futterreste:

An Futterstellen oder -trögen bleiben oft Reste zurück. Auch das Trockenfutter in den Silos kann durch kondensierte Luftfeuchtigkeit verklumpen und feucht werden[3]. Essigfliegen zum Beispiel legen ihren Nachwuchs genau in solche gehrenden Futterreste[2].

Kot und Mist: 

Für einige Insekten appetitliche Nahrungsquelle und willkommene Brutstätte[2].

Vorsorge-Tipp:

Schadinsekten setzen ihre Brut vor allem in organischen Materialien ab. Mist, Gülle, Futterreste oder feuchte Einstreu helfen den Eiern, Larven und Puppen zu wachsen.

WELCHEN WIRTSCHATLICHEN SCHADEN SCHÄDLINGE VERURSACHEN

In landwirtschaftlichen Betrieben begegnen uns unterschiedliche Schädlinge. Neben Stechmücken, Milben und Schaben finden vor allem Fliegenarten wie Stuben-, Gold- oder Essigfliegen in Ställen geeignete Lebensbedingungen. Auch Hausratten und Mäuse schaffen sich hier gerne ein Quartier[1].

 

Vor allem Fliegen zählen weltweit zu den bedeutendsten Schädlingen in der Tierhaltung. Sie verursachen Stress und Unruhe im Stall und können bei starkem Befall die Milchleistung von Kühen deutlich reduzieren[2]. Auch in Mastbetrieben bleiben die Folgen nicht ohne Risiko: Schweine können beispielsweise durch das versehentliche Mitfressen von Fliegen Durchfallerkrankungen erleiden[1].

Fliege vor einem Stall als Beispiel für Schadinsekten
©Feld und Stall

Diese Probleme richten Schädlinge an:

 

Stress:  

Fliegen umkreisen Augen und Maulpartien, landen oder stechen und erzeugen dadurch permanente Unruhe.

Verpackungsschaden: 

Schadnager fressen sich durch Verpackungen, sobald sie darin Nahrung vermuten.

Futterverunreinigung: 

Ratten dringen in Futtersäcke ein und verunreinigen den Inhalt durch Speichel,

Urin und Kot[1].

Krankheiten:  

Durch ihre Nähe zum Nutzvieh und ihre hohe Bewegungsfreiheit können Fliegen und Schadnager eine Vielzahl von Krankheitserregern übertragen, darunter die Erreger der Maul- und Klauenseuche, der Schweinepest sowie der Geflügelpest[2]. Ratten und Mäuse gelten zudem als mögliche Träger von Salmonellen- und Leptospiren-Bakterien und können diese auf den Menschen und Tiere übertragen.

Wirtschaftlicher Schaden:

 Ein massiver Rattenbefall mit etwa 250 Tieren

                kann jährlich bis zu 1.825 kg Getreideverluste verursachen[2].

 

Es ist nicht leicht, diesen Schaden frühzeitig zu erkennen. Häufig reagieren landwirtschaftliche Betriebe erst, wenn Schadnagerpopulationen bereits deutlich auffällig geworden sind. Schadinsekten werden dagegen nicht selten unterschätzt oder gar nicht aktiv bekämpft[1]. Dabei verschwinden Schädlinge nicht von selbst – unter günstigen Bedingungen können sich ihre Bestände innerhalb kurzer Zeit stark vermehren.

WARUM EIN SCHÄDLINGSBEFALL ZU EINEM RIESEN PROBLEM WERDEN KANN

Problematisch werden Schädlinge vor allem in ihrer Masse. Sowohl Schadinsekten als auch Schadnager suchen sich Orte aus, an denen sie günstige Bedingungen finden, um sich rasend schnell zu vermehren.

Fliegen:

Eine weibliche Fliege legt in ihrem Leben etwa 1000 Eier. Nach nur 2-3 Wochen entwickeln sich daraus neue, selbst wieder eierlegende Fliegen. Bei so einem rasanten Wachstum kann die Fliegenpopulation innerhalb von 3 Monaten auf 250 Millionen Fliegen anwachsen[2].                    

Dabei ist der Großteil der Population meist nicht sichtbar: Nur etwa 15 % der Fliegen befinden sich im ausgewachsenen Stadium, während rund 85 % als Eier, Larven oder Puppen verborgen bleiben[2].

Ratten:
Auch die Vermehrungsrate von Ratten ist sehr hoch. Ein einziges Rattenpaar kann innerhalb von sechs Monaten bis zu 1.000 Nachkommen hervorbringen[3]. Mehr zum Thema Ratten auf dem Bauernhof finden Sie hier.
Einen Rattenfall erkennen:

 

Löcher in Mauern, Wänden oder Böden
Pfotenspuren mit typischer Schleifspur des Schwanzes
(kleine Furche zwischen den Pfotenabdrücken)
Ansammlung von Rattenkot
Sichtungen vor allem in der Dämmerung und nachts [2]

Nicht die einzelnen Tiere stellen das Hauptproblem dar, sondern ihre Brut- und Vermehrungsstätten. Dort können sich die Populationen schnell vermehren.

SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG IM STALL: PRAKTISCH UMSETZEN

Schädlingsbekämpfung im Stall besteht aus drei Elementen: Stallhygiene, biologische und mechanische Bekämpfung.

 

Stallhygiene: Brutplätze und Lebensräume verhindern

Hygienemaßnahmen:

  • Brutstätten konsequent minimieren
  • Futterbereiche sauber halten
  • Futterlager sichern
  • Kotreste regelmäßig entfernen
  • Unbelegte Buchten säubern
  • Güllekanäle möglichst vollständig entleeren
  • Umgebung des Stalls sauber halten

Biologische Bekämpfung: Einsatz von Nützlingen gegen den Schädlingsnachwuchs

Viele Schadinsekten haben natürliche Feinde, sogenannte Nützlinge, sie fallen naturgemäß über bestimtme Schädlinge her.

Ein Beispiel ist die Schlupfwespe, die im Mistbereich gegen Stallfliegen eingesetzt wird[2]. Sie legt ihre Eier in die Puppen der Fliegen und verhindert so deren Entwicklung. Sinkt der Befall, reduziert sich auch die Population der Nützlinge wieder.

Im Güllebereich können zudem sogenannte Güllefliegenlarven eingesetzt werden, die sich von den Larven der Stallfliegen ernähren[2].

Mechanische Bekämpfung: Einsatz von Fallen gegen ausgewachsene Schädlinge

Typische Methoden sind:

    • Rattenfallen (Schlag- und Lebendfallen)
    • Fliegenfallen und Klebestreifen
    • UV-Lichtfallen
    • Fliegengitter zur Vorbeugung

FAZIT: BRUTPLÄTZE VERHINDERN UND SCHÄDLINGE BESEITIGEN

Schädlinge tauchen in landwirtschaftlichen Betrieben nicht zufällig auf. Sie folgen vorteilhaften Überlebens- und Ausbreitungsbedingungen.

Erfolgreiche Schädlingskontrolle setzt daher nicht erst bei der Bekämpfung an, sondern bereits bei der Vorbeugung und Verhinderung solcher Bedingungen.

Genutzte Quellen:

[1] Dr. Jona Freise, bei Laves

Schädlingsbekämpfung im Tierstall

(abgerufen am 15.05.2026)

 

[2] Tobias Scholz, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Fliegen- und Rattenbekämpfung

(abgerufen am 15.05.2026)

 

[3] Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westphalen

 Hygiene im Schweinestall

(abgerufen am 15.05.2026)

 

[4] Wiebke Herrmann, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt

Fliegen im Stall

(abgerufen am 15.05.2025)

Teile diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Related Posts

Mineralstoffmangel bei Legehennen erkennen und gezielt ausgleichen

verringerte Legeleistung und mindere Qualität der Eier Dünne, brüchige Eierschalen, Windeier oder sinkende Legeleistung lassen schnell eine unangenehme Sorge aufsteigen: …

Neue Schädlinge durch den Klimawandel

Das Klima in Deutschland überrascht uns jedes Jahr aufs Neue mit weiteren, häufigeren und längeren Wetterextremen. Schlammige, matschige Winter und …