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Was sie herbringt und warum es so schwierig ist, sie loszuwerden
In diesem Blog schauen wir uns an, was eine Rattenbelagerung auf einem landwirtschaftlichen Betrieb so unangenehm und gefährlich macht.
Wir werfen einen Blick in die Geschichte und erfahren, wie lange die Ratte schon neben uns Europäern herhuscht und uns begleitet.
Was sind die Unterschiede zwischen der Hausratte und der Wanderratte? Und welche von beiden hat einen ganz neuen Weg gefunden, älter zu werden als in natürlicher Umgebung?
Zuletzt, welche Überlebensstrategien helfen der Ratte, so hartnäckig dort zu bleiben, wo sie einfällt?
Kleine graubraune Schatten auf dem Hof
Wenn Herbst und Winter die Temperaturen auf den Feldern senken, treibt es die Wanderratten in Richtung der Menschen.
Landwirtschaftliche Betriebe bieten meist gemütliche Verstecke für die ganze Rattenfamilie. In den Ställen ist es warm durch die Ausdünstungen, die das Nutzvieh abgibt. Hier können sie die Tage verdösen, um sich zu Dämmerungs- und Nachtzeiten quiekend und fiepend auf Futtersuche zu begeben.
Dann vergraben sie sich in Kilosäcken von Getreide. Eine einzelne Ratte kann täglich 30 g davon fressen. Als wäre der Verlust nicht ärgerlich genug, hinterlassen sie Kot auf dem Futter und machen es für die eigentlichen Abnehmer ungenießbar.
Dann flitzen sie über den Hof, fauchen die Rinder an, zerwühlen Sachen und schmeißen sie um. Sie nagen an Isolierungen und Stromkabeln. Wenn der Befallsdruck durch Ratten sehr stark ist, sind sie sogar so unverfroren und spazieren tagsüber durch den Hof. Manche Ratte landet tot im Wassertrog oder in der Regentonne und vergiftet so das Wasser.
Seit nunmehr 3000 Jahren werden wir Europäer von Ratten, den treuen graubraunen Schatten verfolgt. Sie kamen teils auf Fernhandelswegen und teils auf Schiffen als Blinder Passagier nach Europa.
Da sie schon so lange neben uns, mit uns und unter uns leben, haben sie erfolgreiche Strategien kultiviert, um unser Schlaraffenland auszukosten und auszunutzen.
Gefahr für Nutztier und Mensch
Ratten reisen nicht allein. Neben vielen Kumpanen haben sie Krankheiten im Gepäck.
Insgesamt können Ratten 120 Infektionskrankheiten am Leibe tragen. Für die Nutztiere haben manche von ihnen die Schweine- und Geflügelpest dabei.
Auch wir Menschen können Schlimmes abbekommen: Salmonellen, SARS oder Typhus. Früher brachte sie die Ruhr, Cholera und die Pest (diese in Form von Flöhen, die Pesterreger auf sich trugen).
Wenn eine ganze Rattenkolonie auftaucht und sich breit macht, ist das meldepflichtig. Das gilt im privaten und im öffentlichen Raum. Und natürlich muss ein solcher Befall von Schadnagern auch auf Bauernhöfen gemeldet werden.
Von den insgesamt 280 Rattenarten, die es weltweit gibt, müssen wir uns in Europa nur um 2 Arten sorgen: Die Hausratte und die Wanderratte.
Hausratte: Von der Pestratte zum Haustier
Die Hausratte ist die Art, die wir schon am längsten in Europa haben. Sie ist zwischen 16-23 cm lang und hat ein braunschwarzes Fell. Die Ohren sind groß und die Schnauze läuft spitz zusammen.
Sie kam vor 3000 Jahren her, verschleppte im Mittelalter die Pest durch ganz Europa und ist nach turbulenten Jahren endlich häuslich geworden: Sie ist die Art, die wir inzwischen als Haustiere halten. In einer so behüteten Umgebung kann sie sogar 7 Jahre alt werden. Sonst liegt das Durchschnittsalter einer Hausratte bei nur 3 Jahren.
Wenn sie nicht direkt in unseren Zimmern lebt, bevölkert sie mit etwa 20-60 Tieren unsere Dachböden. Da sie ehemals auf Bäumen lebte und es in wärmeren Regionen sogar noch tut, kann sie hervorragend klettern. Sie bevorzugen es warm und trocken. Und da sind sie auf den meisten Dachböden genau richtig. Pudelwohl hört man sie daher nachts in den Wänden scharren und fiepen.
Die Hausratte hat uns Menschen über die längste Zeit begleitet. Erst vor 200 Jahren lief die Wanderratte ihr den Rang ab. Erst seit dieser Zeit kam die Wanderratte aus den Steppen Asiens nach Europa. Zu großen Teilen hat sie ihren kleineren Konkurrenten in die Städte verdrängt. Inzwischen findet man die Hausratte nur noch in Nord-, West- und Mitteleuropa.
Wanderratten: Winterquartier auf dem Bauernhof
In der Landwirtschaft haben die Landwirte und Landwirtinnen eher mit der Wanderratte zu kämpfen. Sie ist größer als die Hausratte. Hat aber im Verhältnis zu ihrem Körper kleinere Ohren. Ihre graubraune Fellfarbe verteilt sich auf einem Körper, der zwischen 18-26 cm lang ist und in einer stumpfen Schnauze endet. Hinzu kommt der Schwanz, der nochmal zwischen 15-22 cm misst.
Der Schwanz ist so groß, dass sie ihn hinter sich herschleift und neben ihren Fußspuren durch die Erde zieht. An ihren Spuren kann man sie von der Hausratte unterscheiden. Denn diese nutzt ihren Schwanz zum Balancieren und hält ihn daher während des Gehens in der Luft.
Während sie im Frühjahr und Sommer auf Feldern, Gräben und in Flussnähe leben, nähern sie sich uns an, wenn es kalt wird. Dann schwemmen sie über Siedlungen, Schrottplätze und Bauernhöfe. Die neuen Minimieter kommen mit einer Begleitschaft von meist 20 Mitgliedern. Es kann allerdings auch Gruppen von 60 oder sogar 200 Tieren geben.
Das heißt aber nicht, dass die Gruppen dann aufhören zu wachsen, sie spalten sich.
Ratten vermehren sich wie die Karnickel
Das besondere Problem bei einem Rattenbefall ist deren schiere Masse. Nicht das einzelne Tier ist besonders gefährlich, sondern der Massenkörper.
Ein Wanderrattenweibchen bekommt 4-8 Jungtiere. Allerdings gebärt sie 5-7 Mal Junge im Jahr. Jungtiere sind ihrerseits bereits nach 90 Tagen geschlechtsreif. Eine einzelne Ratte kann in einem Jahr für eine Nachkommenschaft von 1512 Tieren sorgen.
Bei der Hausratte sieht es ganz ähnlich aus, nur bekommt sie pro Wurf bis zu 11 Nachkommen; ebenfalls bis zu 7 Mal im Jahr. Nach einem Monat sind diese wieder geschlechtsreif.
Besondere Überlebensstrategien
Neben dieser unglaublichen Wachstumsrate, unternehmen die Ratten noch sehr viel, um sich selbst zu erhalten.
Sie begegnen ausgelegten Ködern mit höchstem Misstrauen. Rangniedrige Ratten werden zu Vorkosten verdammt. Erst wenn diese einen Köder überleben, frisst der Rest der Kolonie. Köderscheu nennt man das.
Wenn eine Ratte jedoch stirbt, suchen sie nach den Ursachen und wenn sie einen direkten Zusammenhang zwischen einem Giftköder und dem Dahinsiechen einer anderen Ratte vermuten, rühren sie fortan keine Köder dieser Art mehr an.
Fazit
Nicht umsonst sind Ratten seit Jahrhunderten unsere steten Begleiter. Wohl kein anderes Tier lebt in solchen Zahlen so erfolgreich unter uns.
Wenn sie erstmal da sind, bekommt man sie nur viel Erfahrung oder professionelle Hilfe wieder weg.
genutzte Quellen: