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250-Gramm-Butterbarren werden zunehmend wertvoller
In diesem Blog schauen wir uns den Butterpreis an, der unaufhörlich nach oben klettert.
Welche Ursachen kommen da zusammen? Landet das Geld bei den Milchviehhaltern und -halterinnen?
Wird der Preis unseres geliebten Backproduktes in absehbarer Zeit sinken?
Zeit zum Backen: Nachfrage steigt im Winter
Der Herbst ist in vollem Gange und steuert ungebremst auf den Winter zu. Frühe Dunkelheit, Regen, Schneeregen. Gute Voraussetzungen, um zu Hause zu bleiben, zu kochen und zu backen.
Ein wichtiger Baustein für viele deftige Gerichte und natürlich für Kuchen ist ein Klotz Butter.
Zur kalten Jahreszeit hin steigt dadurch die Nachfrage nach dem Produkt. Jeder Deutsche und jede Deutsche verzehren im Jahr immerhin 5,6 kg Butter. Etwas mehr als 22 Pakete Butter zu je 250 Gramm.
Und gerade jetzt verteuert sich die Butter. Der bisherige Preisrekord aus dem Sommer 2022 wurde um 10 Cent geschlagen. Die Butter ist so teuer wie noch nie. Selbst die Preise der Eigenmarken der Discounter, die ja bekanntlich am preiswertesten sind, lagen zuletzt bei 2,39 €.
Wieso wird die Butter teurer? Und das gerade in einer Zeit, wo wir nicht darauf verzichten möchten. Wir fangen bei dem Rohprodukt an: der Milch.
Milchquellen versiegen: Es gibt weniger Kühe
In ganz Deutschland wurde zunächst insgesamt weniger Milch produziert als im vorherigen Jahr: 1,4 % weniger.
Denn die Zahlen der Milchbauern und Milchbäuerinnen gehen seit Jahren zurück. Jedes Jahr sinken sie um etwa 4 %. Es verbleiben 49.254 Menschen (Stand: Mai 2024), die trotz vieler Schwierigkeiten daran festhalten, die Gesellschaft mit Milch zu versorgen.
Nicht nur die Milchviehhalter und -halterinnen ziehen sich zurück, auch die Zahl der Milchkühe schrumpft. Seit den 1950er dünnte sich die Menge von 5 Millionen Tieren auf 3,7 Millionen aus.
Hinzu kam in diesem Jahr noch die Blauzungenkrankheit, die ebenfalls an den Beständen genagt hat.
Dieser Rücklauf kann teils dadurch aufgefangen werden, dass sich die Milchleistung der heutigen Kühe in den letzten Jahrzehnten fast verdoppelt hat: Noch in den 1990er Jahren gab eine Kuh im Jahr 4.710 kg Milch. 2024 sind es bereits 8.950 kg.
Damit schaffen es die verbliebenen Kühe, im Jahr noch 33 Millionen Tonnen Milch zu produzieren.
Leider immer noch zu wenig für all die Produkte, die unsere Gesellschaft aus der Rohmilch herstellt.
Weniger Rahm, wenn die Sonne nicht scheint
Die Milch aus diesem Jahr kann nicht so effektiv weiterverarbeitet werden. Denn sie enthält weniger Rahm. Rahm ist der fetthaltige Teil der Rohmilch, der zur Butter- und Käseherstellung verwendet wird. Und dieser Gehalt schwankt je nach Saison, Haltung und Fütterung.
In den Sommermonaten bekommen die Kühe durch frisches Gras mehr Fett und Proteine als in den Wintermonaten. Daher ist es natürlich, dass die Milch in den Wintermonaten weniger Rahm enthält.
Man nimmt jedoch an, dass es in diesem Jahr zu wenig Sonnenstunden gab, wodurch das Gras weniger Energie zur Verfügung hatte. Aus Kontrollen ging hervor, dass der Rahmgehalt der Kühe schon seit Februar unter Vergleichswerten lag.
Es gibt also zum einen weniger Milch und zum anderen enthält diese Milch weniger Rahm.
Was bedeutet das für Molkereien?
Molkereien müssen mehr Milch zukaufen
Es gibt in Deutschland 161 Unternehmen, die Milch verarbeiten. Gemeinsam verwandeln sie jährlich 31,6 Millionen Tonnen Milch in Buttermilch, Käse, Sahne und natürlich in Butter. Der Fokus dieser Produktion liegt auf dem Käse; nach ihm ist die Nachfrage am größten.
Erst danach denkt man an Butter. Es reicht immerhin noch für 480,5 Tausend Tonnen Butter, die jährlich in die Supermarktregale gestapelt werden können.
Zur Butterherstellung braucht man allerdings viel Rahm, genau genommen schleudert man die Milch aus dem Rahm. Wenn die Milch aber nun weniger Rahm enthält, müssen die Molkereien mehr Milch kaufen, um auf die gleiche Menge Rahm zu kommen.
Wer sahnt hier eigentlich ab?
Das Angebot an Rohmilch ist gering. Kleine Erinnerung: 33 Millionen Tonnen Rohmilch werden jährlich in Deutschland produziert. 31,6 Tonnen davon fließen in die Molkereien zur Käse- und Butterherstellung.
Der Grundpreis des begehrten Rohproduktes steigt daher dezent an in manchen Teilen Deutschlands. In Schwäbisch Hall bekamen die Erzeuger und Erzeugerinnen 2 Cent mehr pro Kilogramm, also 49 Cent insgesamt.
Generell ist man sich jedoch einig, dass die Milchviehhalter und -halterinnen nichts von den gestiegenen Butterpreisen sehen, außer wenn sie selbst einkaufen gehen.
Was sich letztlich so enorm verteuert, ist nicht das Grundprodukt (Rohmilch), sondern die Erzeugnisse (Käse, Butter, Sahne).
Man ist sich auch darin einig, dass niemand an den hohen Butterpreisen verdient. Doch wir alle knirschen mit den Zähnen, bei dem Gedanken, so viel in einen Butterklotz zu investieren.
Das wird wohl noch ein paar Monate so bleiben. Zumindest so lange, bis die Nachfrage nach Butter wieder abnimmt. Bis dahin kann es aber gut sein, dass Discounterbutter bis zu 3 € und Markenbutter sogar bis zu 4 € kosten wird.
Fazit
Wenn die Zahlen der Milchviehhalter und -halterinnen weiterhin zurückgehen, werden wir in den kommenden Jahren wohl noch einige Butterpreisrekorde verzeichnen müssen.
Genutzte Quellen: