Raubtiere auf Hühnerjagd

(Bild: Shutterstock)

Viele wollen ein Hühnchen rupfen

Das Huhn kann sich vor Raubtieren kaum retten, so viele haben Appetit auf Hühnchen.

In diesem Blog werfen wir einen Blick hinter die Räubermasken von Waschbär, Marderhund und Dachs. Wir lassen uns verblüffen vom fast perfekten Verbrechen durch Uhu oder Habicht. Wir schleichen mit den lautlosen Assassinen: Ratte und Wiesel. Und folgen den blutigen Fußstapfen von Fuchs und Marder.

 

Most wanted: unübliche Verdächtige

Dachskeule mit Blumenkohl und Birne. Klingt doch vorzüglich! Früher war es eine Delikatesse. Inzwischen kommt man in Berlin und Österreich wieder auf den Geschmack.

Warum nicht? Das marderartige Tier ist sehr reinlich. Die häuslichen Dachse buddeln riesige Dachsburgen, wo sie über Generationen hinweg leben. Die Latrinen für die Notdurft befinden sich außerhalb. Einmal im Jahr wird sogar das Polstermaterial aus Farnen und anderen Gräsern, das die Schlafstellen auskleidet, ausgekehrt und erneuert.

Seine Nahrungssuche geschieht in einem Umkreis von 5 Kilometern um seine Behausung. Wenn man Pech hat, befindet sich der eigene Hühnerstall innerhalb dieses Radius. Dann sucht der Dachs seine eigenen Delikatessen: Eier.

Es gibt wenig Schlösser, die der Waschbär mit seinen menschenähnlichen, schwarzen Händchen nicht aufbekommt. Das fanden Wissenschaftler bereits 1907 heraus, erfahren wir auf wochenblatt-dtv.de. Als sie in den 1930er Jahren nach Deutschland verschleppt wurden, um ihnen in Pelzfarmen das Fell über die Ohren zu ziehen, büxten einige aus.

Der Kleinbär schläft auf Baumkronen, Astgabeln oder in leeren Spechthöhlen. Klettern kann das intelligente Tier hervorragend. Was ihm früher geholfen hat, aus den Pelzfarmen auszubrechen, hilft ihm jetzt, in Hühnergehege einzudringen.

Weder gräbt er, noch klettert er auf Bäume. Der hundeartige Marderhund schläft, wo es ihm passt: In Sträuchern, leeren Höhlen und unbewohnten Bauten. Da ist er wenig wählerisch. Wählerischer hingegen ist er bei der Partnersuche: Denn Rüde und Fähe bleiben ein Leben lang zusammen.

Sie ziehen auch ihre Welpen gemeinsam auf. Wobei die Fähe jagt und säugt, während der Rest der Erziehung und Fürsorge vom Rüden übernommen wird. Seit sie in den 1960er aus Ostasien zur Pelzproduktion hergebracht wurden, sind auch sie geflohen, wieder verwildert und mittlerweile hier heimisch.

Inzwischen rückt ihnen zwar niemand mehr auf den Pelz, aber sie wollen den Hühnern an den Kragen.

Bei unseren 3 maskierten Jägern handelt es sich, obwohl aus unterschiedlichen Familien (Mader, Bär und Hund), um nachtaktive Nahrungsgeneralisten. Das heißt, sie verspachteln, was ihnen vor die Schnauze kommt: Würmer, Insekten, Nager, Amphibien, Pflanzen, Abfälle und Fisch (nur bei Waschbär und Marderhund).

Wonach alle sich die Schnauzen lecken, sind Vögel und deren Eier. Und da gehören leider auch unsere Hühner dazu.

 

Das fast perfekte Verbrechen: kaum eine Spur

Wenn der Uhu durch die Dunkelheit gleitet, hört man nichts. Das liegt an einer bestimmten Federstruktur, die seinen Flügelschlag dämpft, erfahren wir auf nabu.de. Er selbst hört alles. Mit seinem außergewöhnlichen Gehör könnte er die Augen schließen und würde sein Opfer dennoch erwischen.

Tagsüber macht er sich unsichtbar auf Bäumen oder in Felsspalten. Wenn er dann zwischen 16 und 11 Uhr (morgens) auf die Jagd geht, sieht man meist auch nicht mehr von ihm als seinen Schatten und ein fehlendes Huhn, das er sich im Flug gegriffen hat.

Der Habicht setzt bei seinen Attacken auf Geschwindigkeit. Durch seine starken Flugmuskeln gelingen ihm ein flinker Start, zackige Kursänderungen und eine mordsmäßige Beschleunigung. Seine Spitzengeschwindigkeit liegt bei 150 km/h.

Wenn er auf ein friedliches Huhn zurast, erdolcht er es mit seinen Krallen und schleppt es zum Rupfplatz. Dort wird es zerlegt und zerfleddert.

Nach den Attacken von Uhu und Habicht bleibt neben dem Rupfplatz meist nicht mehr übrig als kleine Bälle aus Federn, Knochen und Zähnen. Diese Gewölle aus Unverdautem würgen die Flugräuber hoch, spucken sie aus und sind dann wieder in der Luft.

 

Kleine Diebe, wenig Schutz

Während die bisher vorgestellten Räuber leer ausgehen, wenn die Hühner in ihren Ställen in Sicherheit sind, schaffen es die nächsten Räuber selbst dort hinein; wenn sie ein Schlupfloch finden, das nicht größer ist als eine 2-Euro-Münze, erfahren wir auf bugbrothers.de.

Eine Ratte kommt fast überall hin. Sie kann klettern, schwimmen und sogar 1,5 Meter hoch springen. Das reicht, um Bäume zu erklimmen und Eier aus den Nestern zu angeln.

Wenn sie durch eine Öffnung in den Hühnerstall gelangt, tötet sie auch ein Huhn. Das Problem ist, Ratten sind selten allein. Sie leben in wuseligen Clans, wo eine einzige weibliche Wanderratte im Jahr einen Nachwuchs von 100 weiteren Ratten bescheren kann.

Das Wiesel ist hingegen ein Einzelgänger. Das kleinste Säugetier der Welt hat trotzdem großen Mut oder eine bodenlose Dreistigkeit. Es quetscht sich in den Hühnerstall auf der Suche nach Hühnern oder deren Eiern. Zum Angriff stellt es sich auf die Hinterbeine. Ein Huhn tötet es mit einem einzigen Biss in den Nacken.

Wenn das Wiesel die Möglichkeit hat, schleift es das Huhn vom Tatort weg. Es kann gut sein, dass eine Wieselattacke unbemerkt bleibt.

Beide, Wiesel und Ratte, nehmen sich, was sie brauchen und verduften. Weitaus unbeherrschter handeln die nächsten Räuber.

 

Mehrfachtötung

24 Hühner getötet in Gemünden (giessener-allgemeine), 140 Hühner getötet im Siegerland (wp.de) und in einem Zoo in Rapperswil sind es sogar 6 Flamingos, die totgebissen im Gehege lagen (limmattalerzeitung.ch). Warum werden alle Tiere getötet und einfach  liegengelassen?

Hauptverdächtiger war jedes Mal ein Fuchs. Der Tötungsreflex, der diesem Verhalten zugrunde liegt, ist jedoch genauso bei Marder und Wolf (bezogen auf eine Schafherde) zu finden. Gut nur, dass der Wolf noch nicht auf den Geschmack von Hühnchen gekommen ist.

Man deutete das Blutbad früher fälschlicherweise als Blutrausch oder sogar Mordlust der Tiere. Sie reagieren auf den Tumult, den ihr Überfall im Hühnerhaus auslöst und beißen alles tot, was flattert, erfahren wir auf mdr.de.

Man geht davon aus, dass die Mehrfachtötung aus einem Reflex heraus geschieht und andererseits mit der Absicht, einen Vorrat anzulegen und später wiederzukommen.

Bis jedoch die Räuber die Gelegenheit haben, wiederzukommen, sind die Kadaver meist schon weggeschafft worden.

Allerdings lassen sich Hühner nicht überall der Reihe nach töten.

 

Ein Fuchs wählt das falsche Hühnerhaus

Im März 2019 schleicht sich ein junger Fuchs in der Bretagne, in Pontivy, in einen riesigen Hühnerhof. 

Als die elektrische Klappe sich schließt und die Hühner in ihre Halle strömen, huscht der Beutegreifer mit hinein. Drinnen sieht sich der unerfahrene Jäger jedoch einer Allianz von 3000 Hühnern gegenüber. Das sind eindeutig zu viele, selbst für seinen Tötungsreflex.

Mit unablässigen Hieben hacken die Hühner auf den Fuchs ein. Als man dessen Körper am nächsten Tag findet, ist er durchlöchert. Hätte der Fuchs überlebt, hätte er das wohl sein Leben lang nicht vergessen.

 

Selbst zum Räuber werden

Ein Tier darf nur aus gutem Grund getötet werden. Das regelt §1 des Tierschutzgesetzes, erfahren wir auf lgl.bayern.de. Selbst Mäuse und Mücken werden durch dieses Gesetz geschützt. Als “gute Gründe” zählen zum Beispiel: Töten, um Nahrung zu gewinnen, um Schädlinge zu bekämpfen, um Seuchen einzudämmen und um Leiden zu lindern, wenn Tiere verletzt sind. Nichts davon greift jedoch bei Raubtierangriffen.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, angezeigt zu werden, weil man eine Mücke erschlagen hat. Bei Wildtieren ist das Gesetz strenger: Wenn man sie fängt, tötet oder deren Ruhe- und Fortpflanzungsstätte zerstört, kostet das 50.000€ Strafe und kann einen sogar ins Gefängnis bringen für mehrere Jahre, erfahren wir auf bussgeldkatalog.org.

Was also kann man unternehmen, wenn täglich Hühner verschwinden oder die Gefahr besteht, dass mit einer einzigen Attacke alle getötet werden?

Da hilft nur eine Hühnerburg, die uneinnehmbar ist und keinen Zugang ermöglicht.

Gegen Fuchs, Marder, Marderhund und Dachs hilft ein Zaun (mindestens 1,80 Meter hoch und bis zu 30 cm im Boden). Gegen den meisterhaften Kletterer Waschbär hilft nur Strom. Wenn man den Zaun unter Strom setzt, hat man auch vor ihm Ruhe.

Gegen Ratten und Wiesel müssen die kleinsten Löcher im Hühnerhaus geschlossen werden.

Gegen Habicht und Uhu hilft ein Netz, das über das Gehege gespannt wird.

 

Fazit

Gefahren für Hühner lauern überall zu fast allen Tageszeiten. Unsere Chance ist es herauszufinden, gegen welche Raubtiere die Hühner geschützt werden müssen.

Dann kann der Hühnerstall samt Gehege zu einer Bastion umgerüstet werden, an der sich die vielfältigen und intelligenten Raubtiere die Zähne aus und Schnäbel krumm beißen.

 

Weitere Quelle:

Räuber in heimischen Wäldern, von Klaus Borrmann, Steffen Verlag, 2013, ISBN 978-3-942477-61-1

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