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Feldfraß durch Rabenvögel

(Bild: Shutterstock)

Ernteschwund und nachsäen

In diesem Blog schauen wir uns an, wie Rabenvögel Samen und junge Pflanzen von den Feldern fressen.

Warum lassen die Vögel die Äcker nicht in Ruhe? Werden es Jahr für Jahr größere Kolonien? Wartet eine Entschädigung für gefressene Samen auf Landwirte und Landwirtinnen?

Bringt es was, sie alle vom Himmel zu schießen?

 

Köstliche Samen: Wohin geht die Rechnung?

Rabenvögel fressen die Samen von Mais, Rüben, Sonnenblumen, Soja oder Wintergetreide. Sie sind Allesfresser. Auch an den jungen Pflanzen rupfen sie, um das Samenkorn am Ende zu erreichen.

Für Landwirte und Landwirtinnen bedeutet das, dass sie nachsäen müssen, wenn sie keine leeren Reihen in ihren Feldern erdulden möchten. Der Schaden kann hoch sein und bis in die Tausende gehen.

Auf eine Entschädigung seitens der Gesellschaft oder der Regierung kann allerdings niemand hoffen; die gibt es nicht. Es gibt sie weder für die zusätzlichen Mühen noch für die Kosten.

Die Regierung sieht Vogelfraß durch Rabenvögel noch als “zumutbare Belastung” an, die die Landwirte und Landwirtinnen “zu erdulden” haben.

 

Rabenvögel: die hungrigen Übeltäter

Unter die Vogelfamilie Corvus fallen Raben, Krähen, Kohlraben (größter Singvogel der Welt), Saatkrähen, Aaskrähen, Elstern, Eichelhäher und Tannenhäher. Und sie zählen allesamt zu den Singvögeln.

Eigentlich bevorzugen Rabenvögel das Leben auf Wiesen, in der Nähe geeigneter Brutbäume. Dort ziehen sie Samen und wirbellose Tiere aus der Erde. 

Wenn ihr Lebensraum jedoch zu klein wird, weil Bäume gefällt oder Wiesen vom Menschen genutzt werden, finden die Rabenvögel eine Alternative vor, die wirken muss, wie ein Festbankett: ein frisch gesäter Acker. Ohne große Mühe gehen sie durch die Ackerfurchen, als wären es Supermarktregale, und fressen sich satt.

Wer könnte es ihnen verdenken? In der Nähe des Menschen gibt es viele Nahrungsquellen:

appetitlicher Abfall, üppige Obstbäume und vorzügliche Feldleckereien. Die meisten davon sind gefahrlos zugänglich.

Das Problem ist, dass die intelligenten Rabenvögel viele Vergrämungstechniken (Vogelscheuche, akustische Raubvogelimitationen oder Raubvogelattrappen) nach einer gewissen Gewöhnungszeit durchschauen.

Viele Menschen sehen daher die einzige noch verbleibende Lösung darin, die Tiere in Scharen abzuschießen.

 

Löchriger Naturschutz

Die Europäische Union stellte 1979 alle Singvogelarten unter Schutz. Alle Arten der Rabenvögel schützt das jedoch nicht. Wenn eine Gefahr für eine regionale Tierpopulation besteht oder ein zu großer Schaden eines landwirtschaftlichen Betriebes gesehen wird, werden einige Rabenvögel vogelfrei und können abgeschossen werden.

Nur Dohlen und Saatkrähen unterstehen einem wirklich lückenlosen Naturschutz. Kugelsicher ist er trotzdem nicht. Denn er schützt sie nicht vor unerfahrenen Jägern oder Jägerinnen, die sie unabsichtlich mit abschießen, weil sie die beiden Arten nicht vom Rest der Rabenvögel unterscheiden können.

Jedes Jahr werden bis zu hunderttausend Krähen und andere Rabenvögel getötet. Um sie anzulocken, wird ihre Hilfsbereitschaft gegenüber ihren Artgenossen genutzt. Lockinstrumente imitieren die Todesklage eines Raben. Die Vögel, die zur Hilfe eilen, werden mit Gewehrsalven empfangen.

Hat diese Schießwut einen Erfolg?

 

Rabenvögel werden nicht weniger

Trotz der Berge angesenkter Federn und durchlöcherter Vogelkörper wird die Gesamtpolulation aller Rabenvögel in Deutschland nicht weniger. Diese Zahlen verfolgt man seit Jahren.

Daher konnte man feststellen, dass selbst diese intensive Jagd auf Rabenvögel keinen Erfolg hat: Deren Population wird langfristig nicht weniger.

Rabenvögel reagieren auf den Versuch, dezimiert zu werden. Sie steigern ihre Bruttätigkeit, um ihrer Ausrottung entgegenzuwirken.

 

Werden es mehr Rabenvögel?

Doch so wenig die Population in Deutschland sinkt, so wenig wächst sie auch. Denn so wie sie ihrer Dezimierung entgegenwirken, so haben sie auch einen natürlichen Populationsstopp. Wenn sie in einer Kolonie zu viele werden, kommt kein Nachwuchs mehr.

Trotzdem kann schnell der Eindruck entstehen, sie wachsen plötzlich zu riesigen Kolonien an, die Bäume, Felder und den Himmel verdunkeln.

Zum einen überwintern auch Rabenvögel an wärmeren Orten. So kommen Rabenvögel aus nördlicheren Regionen und tun sich kurzweilig mit anderen Kolonien zusammen. Auch zu Paarungszeiten gibt es diese kurzweilige Fusion mehrerer Kolonien.

Zum anderen haben wir das Gefühl, es werden mehr Rabenvögel, da wir sie häufiger beobachten können. Ihr natürlicher Lebensraum (Wiesen und große Brutbäume) wird knapp. Das drängt sie an den Rand von Siedlungsgebieten. Dort finden sie massenweise Nahrung vor.

 

Fazit

Rabenvögel werden weder mehr noch weniger. Da ihr Lebensraum schwindet, rücken sie auch näher an uns heran.

Die Leidtragenden sind Landwirte und Landwirtinnen, die den Schaden auf ihren Feldern ausgleichen müssen.

Sicher könnte man deren verständliche Wut auf die Rabenvögel abmildern, indem man die zusätzlichen Kosten und die zusätzliche Arbeit entschädigen würde.

In der Schweiz, im Kanton Freiburg, gibt es ein solches Konzept bereits.



Genutzte Quellen 

lbv.de (Landesverbund für Vögel- und Naturschutz).

welt.de

nabu.de

rnd.de

deutschland-geliebte-bananenrepublik.de

agrarheute.com

niedersachsen.nabu.de

landwirt-media.com

kreiszeitung.de

20min.ch

 

 

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